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PRAXISWISSEN

Wie lange hält eine Solaranlage? Was 26 Jahre alte Module verraten

Solarmodule halten deutlich länger, als die meisten denken. Diese Woche standen wir auf einem Flachdach vor einer Anlage aus dem Jahr 2000, die das eindrücklich zeigt. Was Forschung und Felddaten sagen, woran du den Zustand einer alten Anlage erkennst, und wann sanieren besser ist als ersetzen.

Solarmodule auf einem Kiesflachdach beim Anlagen-Check – Solarmaa

Kurz gesagt: Solarmodule halten deutlich länger, als die meisten denken. Diese Woche standen wir auf einem Flachdach vor einer Anlage, die das eindrücklich zeigt.

Ein Oldtimer auf dem Flachdach

Polykristalline Module mit 36 Zellen, blaues Backsheet, bronzefarbener Rahmen, aufgeständert auf Betonsockeln: Solarex MSX64 aus Frederick, Maryland. Nennleistung laut Typenschild rund 62 Watt pro Modul. Heute liefert ein einzelnes Modul das Sieben- bis Achtfache.

Die Hauptverteilung trägt das Herstellungsjahr 2000, die Module tragen noch das Solarex-Logo von vor der Übernahme durch BP. Die Anlage ist also rund 26 Jahre alt. Mit dabei: ein sauber von Hand ausgefüllter Sortierplan der Muntwyler Energietechnik AG, auf dem jedes Modul mit Seriennummer und gemessenem Strom seinem String zugeteilt ist. So hat man damals gebaut.

Und sie läuft. Bei Regen und dichter Wolkendecke zeigte der Fronius-Wechselrichter rund 80 Watt an. Bei 2,6 kWp Nennleistung sind das rund 3 Prozent, was bei diesem Wetter völlig normal ist: Bei sehr tiefer Einstrahlung produziert jede Anlage nur einen kleinen Bruchteil ihrer Nennleistung, der Wert sagt nichts über den Zustand aus. Was wir sonst sahen: Flechten auf den Rahmen, Moos um die Betonfüsse, eine lose Kabelführung, ein Schutzrohr, das am Betonsockel vorbei ins Leere läuft. Kosmetik und kleine Mängel, keine Schäden an den Modulen selbst.

Was sagt uns das über die Lebensdauer von Solarmodulen allgemein?

Wie Module altern: Was die Forschung sagt

Solarmodule gehen nicht kaputt wie ein Kühlschrank. Sie verlieren langsam an Leistung. Diesen Prozess nennt man Degradation, angegeben in Prozent Leistungsverlust pro Jahr.

Die grosse Übersicht: Das US-Forschungsinstitut NREL hat fast 2000 publizierte Degradationsraten aus Feldmessungen weltweit ausgewertet. Der Median liegt bei 0,5 Prozent pro Jahr, rund 80 Prozent aller gemessenen Werte liegen unter 1 Prozent pro Jahr (NREL, Jordan & Kurtz, Progress in Photovoltaics 2013). Bei 0,5 Prozent pro Jahr hat ein Modul nach 25 Jahren noch rund 88 Prozent seiner Anfangsleistung.

Der Schweizer Langzeitbeweis: Die älteste netzgekoppelte PV-Anlage Europas steht im Tessin. TISO-10 ging 1982 bei der SUPSI in Lugano ans Netz. Nach 35 Jahren wurden alle 288 Module vermessen: Eine Gruppe degradierte nur 0,2 Prozent pro Jahr, die andere 0,69 Prozent pro Jahr. Rund 70 Prozent der Module lagen auch nach 35 Jahren noch über 80 Prozent ihrer Anfangsleistung (SUPSI/EPFL, Annigoni et al. 2019). Entscheidend war nicht die Zelle, sondern das Einbettungsmaterial: Module mit einer bestimmten Verkapselung alterten deutlich langsamer. Die Wechselrichter wurden in dieser Zeit fünfmal ersetzt (pv magazine 2021).

Was die Hersteller damals versprachen: Solarex gab auf die MSX-Module 20 Jahre Garantie: 90 Prozent Leistung bis Jahr 10, 80 Prozent bis Jahr 20 (Solarex-Produktübersicht). Heutige Hersteller garantieren je nach Produkt meist 25 bis 30 Jahre.

Die Lehre aus 40 Jahren Felddaten: Die Module sind selten das Problem. Was altert und ersetzt wird, sind Wechselrichter, Steckverbinder, Kabel und Unterkonstruktion.

Woran du den Zustand einer alten Anlage erkennst

Das Alter allein sagt wenig. Das sind die Punkte, die wir bei einem Anlagen-Check prüfen:

  • Ertrag. Jahresproduktion im Vergleich zu den ersten Betriebsjahren oder zum Sonnendach-Erwartungswert. Ein deutlicher Rückgang ohne Verschattungsänderung weist auf defekte Module, Strings oder Wechselrichter hin.
  • Modulglas und Zellen. Risse, Verfärbungen, braune Flecken, Schneckenspuren. Verfärbtes Einbettungsmaterial kostet Leistung, Risse können Feuchtigkeit hereinlassen.
  • Backsheet. Risse, Blasen, Kreidung auf der Rückseite. Ein beschädigtes Backsheet ist ein Isolationsproblem und kann sicherheitsrelevant werden.
  • Anschlussdosen und Stecker. Verfärbung, Verformung, Korrosion, Schmorstellen. Heisse Kontakte sind das häufigste Brandrisiko an alten Anlagen.
  • Kabel. Spröde Isolation, UV-Schäden, Scheuerstellen, lose Führung. Kabel altern schneller als Module, besonders ungeschützt auf dem Dach.
  • Wechselrichter. Alter, Fehlermeldungen, Lüftergeräusche, Verfügbarkeit von Ersatz. Der Wechselrichter ist das Bauteil, das im Anlagenleben am ehesten ersetzt wird.
  • Unterkonstruktion. Korrosion, lose Verbindungen, Moos und Bewuchs an Betonsockeln, Dachdurchdringungen. Mechanische Mängel sind meist günstig zu beheben, solange sie früh entdeckt werden.
  • Elektrische Messung. Isolationswiderstand, Strangströme, Leerlaufspannung, bei Bedarf Kennlinie. Die einzige Methode, Leistungsverluste pro String objektiv zu beziffern.

Eine Thermografie an einem sonnigen Tag zeigt zusätzlich einzelne heisse Zellen oder Dioden, die man von Auge nicht sieht. Bei der Anlage auf dem Flachdach stehen genau diese Messungen als nächster Schritt an.

Sanieren oder ersetzen?

Bei einer funktionierenden Altanlage gibt es zwei ehrliche Wege, und beide haben wir für den Oldtimer offeriert.

Sanieren heisst: kleine Mängel beheben, Kabel und Stecker ersetzen, Unterkonstruktion reinigen und fixieren, Wechselrichter prüfen oder ersetzen, Messprotokoll erstellen. Das lohnt sich, wenn die Module elektrisch in Ordnung sind und das Dach nicht in den nächsten Jahren saniert werden muss. Die Anlage läuft dann weiter und produziert jede Kilowattstunde praktisch ohne neuen Materialeinsatz. Ökologisch ist das die beste Variante: Ein Modul, das schon 26 Jahre arbeitet, hat seinen Herstellungsaufwand längst mehrfach wieder eingespielt.

Ersetzen heisst: gleiche Fläche, neue Module. Moderne Module liefern pro Quadratmeter ein Mehrfaches der Leistung von 2000; der Modulwirkungsgrad lag damals bei rund 12 Prozent, heute je nach Produkt über 22 Prozent. Auf der gleichen Fläche entsteht so eine deutlich grössere Anlage, dazu ein neuer Wechselrichter mit Monitoring, neue Garantien und ein Elektrosystem nach heutigen Normen. Das lohnt sich, wenn der Strombedarf gestiegen ist (Wärmepumpe, Elektroauto), wenn das Dach ohnehin saniert wird oder wenn die alte Anlage sicherheitsrelevante Mängel zeigt.

Unsere Haltung: Wir empfehlen nicht reflexartig den Ersatz. Eine alte Anlage, die sauber läuft, ist kein Mangel, sondern ein Beweis dafür, dass Photovoltaik funktioniert. Wer die Wahl hat, soll sie mit Zahlen treffen: Messprotokoll, Ertragsvergleich, Dachzustand, Strombedarf. Dann beide Offerten nebeneinander legen.

Die Grundlage für beide Varianten: ein Anlagen-Check vor Ort. Melde dich, wenn deine Anlage älter als 15 Jahre ist und du wissen willst, wo sie steht.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine Solaranlage? Kristalline Solarmodule verlieren laut einer NREL-Auswertung von fast 2000 Feldmessungen im Median 0,5 Prozent Leistung pro Jahr. Europas älteste netzgekoppelte Anlage im Tessin läuft seit 1982. Eine Betriebsdauer von 30 bis 40 Jahren ist bei guten Modulen realistisch.

Welche Teile einer PV-Anlage müssen zuerst ersetzt werden? Meist der Wechselrichter, danach Steckverbinder und Kabel. Die Module selbst sind in der Regel das langlebigste Bauteil der Anlage.

Lohnt es sich, eine 20 Jahre alte Solaranlage weiter zu betreiben? Ja, wenn Module und Elektrik bei einer Prüfung in Ordnung sind und das Dach nicht saniert werden muss. Die Anlage produziert dann weiter Strom ohne neuen Materialeinsatz. Ein Ersatz lohnt sich, wenn der Strombedarf gestiegen ist oder die Anlage sicherheitsrelevante Mängel hat.

Wie prüft man den Zustand einer alten PV-Anlage? Mit einer Sichtkontrolle von Modulen, Kabeln, Steckern und Unterkonstruktion, einer elektrischen Messung (Isolationswiderstand, Strangströme, Leerlaufspannung) und einem Vergleich des Jahresertrags mit den Erwartungswerten. Eine Thermografie zeigt zusätzlich einzelne defekte Zellen oder Dioden.

Was ist Degradation bei Solarmodulen? Degradation ist der schleichende Leistungsverlust eines Solarmoduls über die Jahre, angegeben in Prozent pro Jahr. Ursachen sind unter anderem Alterung des Einbettungsmaterials, Mikrorisse und Korrosion an Kontakten.

Quellen: NREL Photovoltaic Lifetime Project · Jordan & Kurtz, Photovoltaic Degradation Rates (NREL) · Annigoni et al., 35 years of photovoltaics: TISO-10 (EPFL) · pv magazine 2021 · Solarex MSX-Produktübersicht · Typenschilder und Sortierplan vor Ort fotografiert, Oktober 2026.

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