Wenn du Module von Meyer Burger auf dem Dach hast, ist das gerade die Frage, die dich beschäftigt: Ist meine Garantie noch etwas wert? Die ehrliche Kurzfassung lautet: Die Herstellergarantie ist praktisch nichts mehr wert. Die lange Fassung ist deutlich weniger dramatisch, als diese Zeile klingt. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Was passiert ist
Die Chronologie, sachlich und ohne Häme:
- März 2024: Meyer Burger schliesst das Modulwerk in Freiberg (Sachsen), rund 500 Kündigungen.
- Mai 2025: Produktionsende im US-Werk in Goodyear, Arizona.
- Juni 2025: Insolvenz der deutschen Töchter in Thalheim (Bitterfeld-Wolfen) und Hohenstein-Ernstthal, parallel dazu Chapter 11 der US-Gesellschaften.
- September 2025: Die Investorensuche scheitert, die Schweizer Gesellschaften in Thun erhalten eine Nachlassstundung.
- Januar 2026: Dekotierung von der SIX.
- März 2026: Swift Solar aus Kalifornien kauft die HJT-Zellfertigung und das gesamte Patentportfolio und verlagert die Anlagen in die USA. Der frühere CEO Gunter Erfurt wechselt mit.
- Juni 2026: Konkurs.
Der Hersteller-Shop führt heute sämtliche Modultypen als ausverkauft. Einen Rechtsnachfolger, der die Marke oder die Garantien weiterführt, gibt es nicht. Dass Swift Solar Garantieverpflichtungen übernommen hätte, ist in keiner uns bekannten Quelle belegt. Gekauft wurden Technologie und Patente – nicht die Versprechen gegenüber Anlagenbesitzern.
Technisch ändert sich an deiner Anlage: nichts
Das geht in der Aufregung oft unter, ist aber der wichtigste Satz des ganzen Beitrags. Ein Modul fällt nicht aus, weil sein Hersteller verschwunden ist. Deine Anlage produziert am Tag nach dem Konkurs exakt gleich viel Strom wie am Tag davor. Physik interessiert sich nicht für Handelsregistereinträge.
Dazu kommt: Modulausfälle sind ohnehin selten. Die häufigsten Störungen einer Photovoltaikanlage betreffen den Wechselrichter und die Peripherie – Kommunikation, Monitoring, Überwachungshardware und bei Bedarf den Batteriespeicher. Genau diese Komponenten stammen bei deiner Anlage nicht von Meyer Burger, und ihre Garantien sind vom Konkurs nicht betroffen.
Und noch etwas: Schäden durch Hagel, Sturm oder Feuer sind Elementarschäden. Sie laufen über die Gebäudeversicherung und haben mit dem Hersteller nichts zu tun. Dieser Schutz bleibt vollständig bestehen.
Die Garantiefrage hat zwei Ebenen
Im Alltag werden zwei Dinge ständig verwechselt, die rechtlich nichts miteinander zu tun haben. Wir stützen uns hier auf das Memo des Swissolar-Rechtsdienstes «Herstellergarantie vs. Gewährleistungspflicht Installateur».
Ebene 1: die Gewährleistung deines Installateurs. Sie ist gesetzlich und richtet sich gegen den Betrieb, der deine Anlage gebaut hat. Sie gilt zwei Jahre für offene Mängel und bis maximal fünf Jahre für verdeckte Mängel, nach OR Art. 371 beziehungsweise nach SIA-Norm 118 Art. 172 ff., falls diese vereinbart wurde. Wichtig: Wenn ein Mangel vom Hersteller nicht behoben wird und deine Anlage deswegen nicht vertragsgemäss funktioniert, haftet innerhalb dieser Frist weiterhin dein Installateur. Auch dann, wenn der Fehler im Modul steckt und nicht in der Montage.
Ebene 2: die Herstellergarantie. Sie ist ein separates, freiwilliges Versprechen des Herstellers und muss beim Hersteller eingefordert werden. Meyer Burger gab auf seine Glas-Glas-Module bis zu 30 Jahre Produktgarantie und 25 bis 30 Jahre Leistungsgarantie. Nach Ablauf der Gewährleistungsfrist deines Installateurs ist sie die einzige Ebene, die noch bleibt – und dort haftet der Hersteller direkt.
Damit ist auch klar, wo das Problem liegt. Ist der Hersteller im Konkurs, wird ein Garantieanspruch zu einer gewöhnlichen Konkursforderung, die beim Konkursamt angemeldet werden müsste. Wie hoch eine allfällige Quote ausfällt, wissen wir nicht. Realistisch dürfte sie gering sein. Eine 30-Jahre-Garantie eines insolventen Herstellers ist ein Blatt Papier, kein Anspruch, den du durchsetzen kannst. Wir sagen das lieber deutlich, als es schönzureden.
Wenn du die beiden Ebenen im Detail nachlesen willst: Wir haben das in einem eigenen Beitrag zu Garantie und Gewährleistung bei Photovoltaikanlagen ausführlich aufgeschrieben.
Nebenbei: Swissolar betreibt eine Ombudsstelle, die zwischen Bauherrschaft und Anbieter vermittelt. Sie kann bei Streit mit dem Installateur helfen. Eine fehlende Herstellergarantie ersetzt sie nicht.
Der ehrliche Teil: Ersatzmodule
Hier liegt die eigentliche praktische Folge, und sie hat wenig mit Garantierecht zu tun. Ersatzmodule sind beim Hersteller nicht mehr erhältlich. Wer in zehn Jahren ein defektes Modul ersetzen muss, bekommt kein baugleiches mehr. Das ist so, und daran wird sich nichts ändern.
Die übliche Lösung ist unspektakulär: Man setzt ein elektrisch passendes Modul eines anderen Herstellers in denselben String, gegebenenfalls mit einer Anpassung der Strangbelegung. Optisch sieht man den Unterschied. Elektrisch funktioniert es, wenn es sauber gerechnet und ausgeführt wird. Das ist Handwerk, kein Drama – aber es ist Aufwand, und den soll niemand kleinreden.
Ein Tipp, den wir ohnehin gerne geben: Sichere dir ein baugleiches Reservemodul aus Restbeständen, solange noch welche im Markt sind. Wie viele das sind und was sie kosten, können wir nicht seriös sagen – das ändert sich laufend. Wer das Modul nicht einfach im Keller lagern will, kann es mit einem Mikrowechselrichter als Balkonmodul betreiben. Dann produziert es Strom und ist gleichzeitig dein Ersatzteil.
Was du jetzt konkret tun kannst
- Unterlagen sichern. Abnahmeprotokoll, Schlussrechnung, Datenblätter der Module, Garantiebedingungen, Anlagenschema. Digital und an einem Ort, den du in fünf Jahren noch findest.
- Inbetriebnahmedatum prüfen. Es entscheidet darüber, ob du noch innerhalb der Fünfjahresfrist gegenüber deinem Installateur bist. Das ist die Frist, die im Moment tatsächlich zählt.
- Monitoring im Auge behalten. Ein einzelnes schwaches Modul zeigt sich früh im Ertragsverlauf. Wer das sieht, kann handeln, solange Fristen noch laufen.
- Allenfalls ein Reservemodul beschaffen. Kein Muss, aber die günstigste Versicherung, die es in dieser Lage gibt.
- Wartung nicht vernachlässigen. Die regelmässige Kontrolle von Anlage, Verkabelung und Wechselrichter ist jetzt eher wichtiger als vorher, weil sie Probleme findet, bevor sie teuer werden.
Wie wir damit umgehen
Wir haben Anlagen mit Meyer-Burger-Modulen gebaut. Wir haben diese Module empfohlen, weil sie gut waren und weil die Fertigung in Europa lag. Dass es so gekommen ist, ändert nichts daran, dass wir für die Anlagen geradestehen, die wir gebaut haben.
Wenn du bei uns gebaut hast: Ruf an. Wir schauen zusammen dein Inbetriebnahmedatum an, klären, welche Fristen bei dir noch laufen, und besprechen, ob ein Reservemodul in deinem Fall sinnvoll ist.
Und wenn du nicht bei uns gebaut hast: Melde dich trotzdem. Wir schauen die Anlage an, sagen dir sachlich, wo du stehst, und helfen bei der Ersatzbeschaffung, falls es einmal so weit ist. Auch dann, wenn dein ursprünglicher Installateur nicht mehr erreichbar ist. Hier findest du uns.
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