V2H · Vehicle to Home

Bidirektionales Laden: dein E-Auto als Speicher für dein Haus

Bidirektionales Laden heisst, dass dein Elektroauto Strom nicht nur aufnimmt, sondern auch wieder abgibt – an dein Haus, an einzelne Geräte oder ans Netz. Damit wird die Autobatterie zum grössten Speicher auf deinem Grundstück. Ein typischer Mittelklasse-Stromer hat mehr Kapazität als die meisten Heimspeicher, die wir sonst installieren.

Klingt gut. Ist es auch – aber nur, wenn Auto, Ladestation und Regelwerk zusammenpassen. Auf dieser Seite steht, was heute wirklich geht und was noch nicht.

V2L, V2H, V2G – was ist der Unterschied?

BegriffWas passiertWas du dafür brauchst
V2L
Vehicle to Load
Das Auto versorgt einzelne Geräte über eine SteckdoseNur einen Adapter, keine Installation
V2H
Vehicle to Home
Das Auto speist in dein Hausnetz ein und deckt deinen EigenverbrauchBidirektionale Ladestation, Energiemanagement
V2G
Vehicle to Grid
Das Auto speist ins öffentliche Netz zurückZusätzlich Zustimmung deines Netzbetreibers

Für Eigenheimbesitzer ist V2H der relevante Fall: abends den Solarstrom nutzen, den du morgens ins Auto geladen hast, statt ihn für wenige Rappen ins Netz zu verkaufen.

Was du für V2H brauchst

1. Ein Fahrzeug, das entladen kann.

Das ist der Knackpunkt – mehr dazu weiter unten.

2. Eine bidirektionale Ladestation.

Wir setzen auf das Sigen EV DC Charging Module von Sigenergy. Es ist Teil des SigenStor-Systems und verbindet PV-Anlage, Hausspeicher, Auto und Hausnetz in einer Einheit. Weil geladen und entladen direkt über Gleichstrom läuft, entfallen unnötige Umwandlungsschritte.

Sigenergy SigenStor mit Batteriespeicher und Wechselrichter im Kompaktgerät, installiert von Solarmaa in Täuffelen
SigenStor von Sigenergy: Batteriespeicher, Wechselrichter und Ladeeinheit im selben Gerät – hier von uns in Täuffelen installiert.

3. Ein Energiemanagement, das entscheidet, wann entladen wird.

Sonst zieht das System Strom aus dem Auto, wenn du ihn am nächsten Morgen zum Fahren brauchst. Beim SigenStor läuft das über die mySigen-App: du gibst Abfahrtszeit und Mindestladestand vor, das System regelt den Rest.

Welche Autos können das wirklich?

Hier ist die Werbung schneller als die Technik. Drei Punkte, die wir jedem Kunden sagen.

«Bidirektional» im Prospekt heisst oft nur V2L

Viele Hersteller werben mit bidirektionalem Laden und meinen damit eine Steckdose im Auto, mit der du dein E-Bike laden kannst. Das ist praktisch – aber es speist nichts in dein Haus ein.

Kompatibilitätslisten sind Feldtests, keine Freigaben

Sigenergy führt eine öffentliche Liste getesteter Fahrzeuge und hält dabei ausdrücklich fest, dass die Autohersteller die V2X-Funktion nicht offiziell angekündigt haben und die Ergebnisse nicht von ihnen zertifiziert sind. Ein Eintrag ist ein starkes Indiz – aber keine Zusicherung für dein konkretes Modelljahr.

Der Software-Stand entscheidet mit

Dasselbe Modell kann je nach Baujahr, Markt und Update-Stand entladen oder eben nicht. Wir prüfen das vor der Offerte gemeinsam mit dir.

Unser Vorgehen: Sag uns Modell, Baujahr und Softwarestand deines Fahrzeugs. Wir gleichen das mit der aktuellen Kompatibilitätsliste ab und sagen dir ehrlich, wie gut die Chancen stehen – bevor du Geld investierst.

Warum du trotz bidirektionalem Laden einen Hausspeicher brauchst

Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird: Wenn im Auto 70 kWh stehen – wozu dann noch eine Batterie im Keller?

Die Antwort liegt nicht in der Kapazität, sondern in der Leistung. Ein Auto ist gut darin, viel Energie zu liefern. Es ist schlecht darin, wenig Leistung zu liefern.

Grund 1: Das Auto muss wach sein, um Strom abzugeben

Damit ein Fahrzeug entladen kann, laufen Batteriemanagement, Schütze, Kühlung und Steuergeräte mit. Diese Grundlast fällt an, egal ob das Auto 300 Watt oder 5 Kilowatt liefert. Dazu kommen die Wandlungsverluste in der Ladestation. Zusammen sind das je nach Fahrzeug mehrere hundert Watt – also ungefähr so viel, wie ein Einfamilienhaus nachts überhaupt verbraucht.

Grund 2: Viele Fahrzeuge haben eine Mindestentladeleistung

Etliche Modelle gehen gar nicht unter rund 1,5 bis 1,8 kW herunter. Für eine Nachtgrundlast von 300 Watt heisst das: Das Auto liefert entweder zu viel – der Überschuss geht zum tiefen Rücklieferungstarif ins Netz – oder es schaltet gar nicht erst ein, und du beziehst die ganze Nacht aus dem Netz.

Rechenbeispiel

Annahmen: Nachtgrundlast 350 W über 10 Stunden. Standby- und Wandlungsverluste zusammen 450 W. Zum Vergleich derselbe Verlustwert bei einem grossen Verbraucher.

Nur Grundlast (350 W)Grosser Verbraucher (2 kW)
Nutzenergie im Haus3,5 kWh20 kWh
Verluste über dieselbe Zeit4,5 kWh4,5 kWh
Aus der Autobatterie entnommen8,0 kWh24,5 kWh
Effektiver Wirkungsgradrund 44 %rund 82 %

Bei kleinen Lasten verbrennst du also mehr als die Hälfte des Solarstroms, den du vorher mühsam ins Auto geladen hast. Bei grossen Lasten stimmt die Bilanz.

Vereinfachtes Beispiel zur Veranschaulichung. Die tatsächlichen Werte hängen stark vom Fahrzeugmodell ab – wir messen das bei der Inbetriebnahme an deiner Anlage.

Die sinnvolle Arbeitsteilung

AufgabeWer macht esWarum
Nachtgrundlast, Kühlschrank, StandbyHausspeicherArbeitet auch bei 200 W effizient
Kochen, Waschen, Wärmepumpe, Auto ladenAuto (V2H)Hohe Leistung, hier stimmt der Wirkungsgrad
Grosse Energiemengen über mehrere TageAuto (V2H)Kapazität, die kein Heimspeicher bietet
NotstromHausspeicherIst immer da

Der dritte Grund ist banal, aber entscheidend: Der Hausspeicher steht immer im Keller. Das Auto steht manchmal in Bern, in Neuenburg oder auf dem Parkplatz beim Kunden. Ein System, das nur funktioniert, wenn das Auto zu Hause ist, deckt deinen Verbrauch an genau den Tagen nicht, an denen du unterwegs bist.

Deshalb planen wir V2H grundsätzlich als Ergänzung zum Hausspeicher, nicht als Ersatz. Der Speicher übernimmt die Grundlast, das Auto schaltet sich zu, wenn genug Leistung gefragt ist oder der Speicher an seine Grenze kommt. Mehr dazu auf unserer Seite Batteriespeicher.

Was du vor der Bestellung wissen musst

Bidirektionales Laden ist eine junge Technologie. Damit du weisst, worauf du dich einlässt, hier die fünf Punkte, die wir auch in jede Offerte schreiben.

1. Das Entladen hängt am Auto, nicht an der Ladestation

Wir liefern und installieren die Ladestation und garantieren deren Funktion. Ob dein Fahrzeug Strom ins Haus zurückgibt, entscheidet der Fahrzeughersteller über dessen Software.

2. Es kann später wegfallen

Ein Software-Update deines Fahrzeugs kann die Entladefunktion einschränken oder entfernen. Das liegt ausserhalb unseres Einflussbereichs und ist kein Mangel der Anlage.

3. Kläre die Fahrzeuggarantie ab

Bidirektionale Nutzung kann die Batteriegarantie deines Autos betreffen. Frag vor der Bestellung bei deinem Fahrzeughersteller nach – wir sagen dir gerne, wie du die Frage stellen musst.

4. Wir testen es bei der Inbetriebnahme gemeinsam

Stell dein Fahrzeug mit ausreichendem Ladestand bereit. Als Nachweis gilt eine durchgehende Entladung von mindestens 15 Minuten. Ist kein Fahrzeug vor Ort, nehmen wir die Anlage mit der Ladefunktion ab.

5. Rückspeisung ins Netz braucht eine Bewilligung

Für V2G brauchst du die Zustimmung deines Netzbetreibers. Für die reine Eigenverbrauchsnutzung im Haus (V2H) gilt das nicht.

Häufige Fragen

Lohnt sich bidirektionales Laden finanziell?

Das hängt von deinem Bezugstarif, deiner Rückliefervergütung und davon ab, wie oft dein Auto tagsüber zu Hause steht. Wer das Auto unter der Woche pendelt, hat es nachts am Netz – dann ist der Nutzen kleiner als bei jemandem im Homeoffice. Wir rechnen dir das mit deinen echten Tarifzahlen durch, nicht mit Durchschnittswerten.

Schadet das Entladen der Autobatterie?

Jeder Zyklus bedeutet eine gewisse Alterung. Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt von der Entladetiefe und der Zyklenzahl ab. Deshalb begrenzen wir im Energiemanagement, wie tief das System die Fahrzeugbatterie entladen darf.

Brauche ich zusätzlich einen Hausspeicher, wenn mein Auto schon 70 kWh hat?

Ja, in den allermeisten Fällen. Ein Fahrzeug braucht mehrere hundert Watt nur dafür, dass es überhaupt Strom abgeben kann – bei einer Nachtgrundlast von 300 Watt gehen dadurch mehr als die Hälfte der entnommenen Energie verloren. Viele Fahrzeuge können zudem gar nicht unter rund 1,5 kW entladen. Der Hausspeicher deckt effizient die Grundlast, das Auto die grossen Verbräuche.

Funktioniert das auch bei Stromausfall?

Bei entsprechender Systemkonfiguration ja. Notstromfähigkeit muss aber von Anfang an mitgeplant werden – nachträglich wird es aufwendig.

Kann ich meine bestehende Wallbox nachrüsten?

Nein. Eine normale AC-Wallbox kann keinen Strom aus dem Auto zurückführen. Es braucht eine dafür gebaute bidirektionale Ladestation – mehr dazu auf unserer Seite Ladestation.

Für welche Regionen macht ihr das?

Wir installieren im Seeland, im Berner Jura und im Kanton Neuenburg – deutsch und französisch.

Du hast ein E-Auto und eine PV-Anlage – oder planst beides?

Sag uns, welches Fahrzeug du fährst. Wir sagen dir ehrlich, ob bidirektionales Laden bei dir heute schon Sinn macht.