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PRAXISWISSEN

ZEV, vZEV, LEG oder Praxismodell – welches Modell für deine Liegenschaft?

Vier Modelle für Eigenverbrauchsgemeinschaften, ein klarer Favorit. Mit Entscheidungsbaum, Wirtschaftlichkeitsvergleich und konkreten Zahlen für ein 4er-MFH.

Wechselrichter-Installation in Nidau – Solarmaa

Vier Modelle, ein klarer Favorit

Du installierst eine Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus oder einer Liegenschaftsgruppe und willst, dass deine Mieter oder Nachbarn vom Solarstrom profitieren. In der Schweiz gibt es dafür vier Modelle: ZEV, vZEV, LEG und das Praxismodell (vom VNB angebotene Vollservice-Variante — z.B. Inter-PV beim ESB oder vergleichbare Angebote anderer regionaler Versorger wie Evolon).

Auf den ersten Blick wirken alle ähnlich. Sind sie nicht. Drei Modelle verteilen den PV-Strom intern ohne Netznutzungsabgabe — das Praxismodell als reines Komfort-Modell nicht. Wer den Unterschied nicht kennt, lässt gerne 6’000 bis 10’000 CHF über die Anlagendauer liegen.

Hier der ehrliche Überblick mit Entscheidungsbaum und konkreten Zahlen für ein typisches 4er-MFH.


Die kürzeste Empfehlung

Bei einem Bestandsbau mit mehreren Wohneinheiten ist das vZEV in nahezu allen Fällen das wirtschaftlich beste Modell. Keine baulichen Eingriffe, keine Netznutzungsabgabe auf intern verteiltem PV-Strom, freie Wahl des Abrechnungsdienstleisters.

Der ZEV bleibt der Klassiker im Neubau. Die LEG (ab 2026) macht Sinn, wenn deine Liegenschaften in der gleichen Gemeinde stehen, aber an verschiedenen Verteilkasten hängen. Das Praxismodell ist dort eine Option, wo der VNB es anbietet — für Bauherren, die bewusst Komfort gegen Wirtschaftlichkeit eintauschen.


Die vier Modelle in einer Tabelle

KriteriumZEVvZEVLEGPraxismodell
Verfügbar seit20181.1.20251.1.20262014 (wo VNB anbietet)
Räumlicher Bereich1 HausanschlussGleiche VerteilkabineGleiche Gemeinde + NE7Wo der VNB es anbietet
Netznutzung intern0 %0 %40 % AbschlagVoller VNB-Tarif
Bauliche EingriffeJaNeinNeinNein
Abrechnung durchBetreiberBetreiberLEG-Vertretung + VNBVNB direkt
WirtschaftlichkeitHochHochMittelTief
Aufwand für dichMittelMittelMittelSehr tief

Der Entscheidungsbaum

Diese Reihenfolge führt in fast allen Fällen zur passenden Empfehlung:

Frage 1: Wie viele Gebäude sind beteiligt?

Nur ein Gebäude? Dann vZEV bei Bestand oder ZEV bei Neubau. Mehrere Gebäude? Weiter zu Frage 2.

Frage 2: Hängen alle Gebäude am gleichen Hausanschluss?

Ja? vZEV (oder ZEV bei Neubau). Nein? Weiter zu Frage 3.

Frage 3: Sind alle Gebäude an derselben Verteilkabine im Niederspannungsnetz?

Ja? vZEV mit Smart-Meter-Bilanzierung. Das ist seit 1.1.2025 möglich — keine baulichen Eingriffe, keine eigene Hardware. Nein? Weiter zu Frage 4.

Frage 4: Liegen alle Gebäude in derselben Gemeinde am selben VNB?

Ja? LEG ab 2026 (40 % Abschlag auf das Netznutzungsentgelt). Nein? Dann ist kein gemeinschaftliches Modell anwendbar. Eigenverbrauch nur lokal pro Gebäude.


Die Strompreis-Realität: Warum vZEV so viel besser ist als das Praxismodell

Hier wird’s konkret. Beispiel: 4er-MFH, 10 kWp PV-Anlage, 8’000 kWh PV-Eigenverbrauch pro Jahr. Netznutzungstarif inkl. Abgaben: 9 Rp/kWh.

PositionvZEVPraxismodell
Initialkosten Hardware/Setupca. 2’100 CHF900 CHF
Lizenzen / Abrechnung pro Jahrca. 250 CHF144 CHF
VNB-Messtarife pro Jahrca. 200 CHFim Praxismodell enthalten
Netznutzung interner PV-Strom0 CHFca. 720 CHF/Jahr
Total laufend pro Jahrca. 450 CHFca. 864 CHF

Differenz: rund 400–700 CHF pro Jahr zugunsten vZEV. Über 20 Jahre Anlagendauer: ein Vorteil von 6’000 bis 10’000 CHF.

Warum dieser Unterschied? Weil beim Praxismodell alle Teilnehmer Direktkunden des VNB bleiben — und damit den vollen Netznutzungstarif auch auf den intern verteilten PV-Strom zahlen. Beim vZEV fällt diese Abgabe weg, weil das vZEV gegenüber dem VNB als ein einziger Endkunde gilt.


Wann macht das Praxismodell trotzdem Sinn?

Das Praxismodell ist nicht schlecht. Es ist ein Komfort-Modell. Es macht Sinn, wenn alle drei Bedingungen zutreffen:

  • Dein VNB bietet das Praxismodell an (z.B. Inter-PV beim ESB oder vergleichbare Modelle bei anderen regionalen Versorgern wie Evolon)
  • Du willst absolut keinen administrativen Aufwand und überlässt alles dem VNB
  • Du akzeptierst die Mehrkosten von rund 700 CHF pro Jahr bewusst

Der grösste strategische Vorteil: Eine Praxismodell-Liegenschaft kann ab 1.1.2026 an einer LEG teilnehmen — eine vZEV-Liegenschaft nicht. Wer eine spätere Quartier-Erweiterung plant, kann das Praxismodell als Migrationspfad zur LEG nutzen.

Wer beim vZEV den Wirtschaftlichkeitsvorteil mitnehmen will und trotzdem Vollservice braucht, hat eine bessere Option: einen Vollservice-Abrechnungsdienstleister wie Solarmaa. Du behältst den vZEV-Vorteil und übergibst trotzdem die Mieter-Abrechnung.


Die häufigsten Fehler

Fehler 1: Praxismodell als gleichwertig zu vZEV annehmen

In der Offerte sollte klar stehen, was das Praxismodell wirtschaftlich bedeutet. Im 4er-MFH sind das 6’000 bis 10’000 CHF Mehrkosten über die Lebensdauer.

Fehler 2: Bestehenden ZEV im vZEV verschachteln wollen

Nicht zulässig (ElCom Q&A 03/2025). Wenn du einen bestehenden ZEV in einen neuen vZEV einbinden willst, muss der ZEV vorher formell aufgelöst werden.

Fehler 3: KEV-Anlage in Volleinspeisung in vZEV einbinden

Verstösst gegen die Bestimmungen. Die Lösung: KEV-Anlage separat halten und nur die Verbrauchsstelle der gleichen Liegenschaft am vZEV teilnehmen lassen.

Fehler 4: Wechselrichter auf einen separaten Bezugszähler legen

Klingt harmlos, kostet ab 2026 jedes Jahr rund 200 CHF Fixkosten für den Wechselrichter-Standby-Verbrauch. Lösung: AC-Anschluss des Wechselrichters auf einen bestehenden Verbraucherkreis legen.

Fehler 5: Topologie beim VNB nicht verifizieren

«Wir hängen am gleichen Verteilkasten» ist eine Annahme — keine Tatsache. Lass die Topologie via VNB-Portal prüfen. Antwort kommt innert 14 Tagen, kostet nichts.


Welche Abrechnungslösung passt zu welchem Modell?

  • Klassisches MFH-ZEV im Neubau: smart-me oder Solar Manager — Hardware ist sowieso nötig.
  • MFH Bestand mit vZEV: PVshare oder SEL — wirtschaftlich klar attraktiver als das Praxismodell.
  • Mehrere Gebäude in Familienhand: Solar Manager mit whatwatt Go, Abrechnung via Excel/SDAT-CH-Daten.
  • Bauherr will Vollservice und akzeptiert tiefere Wirtschaftlichkeit: Praxismodell beim VNB — mit transparenter Kommunikation der Mehrkosten.

Was Solarmaa konkret macht

Wir planen und installieren die PV-Anlage und betreuen sie über die gesamte Lebensdauer. Bei der Modellwahl beraten wir neutral und zeigen dir die wirtschaftlichen Auswirkungen jedes Modells transparent auf.

Konkret übernehmen wir je nach Service-Stufe:

  • Topologieprüfung beim VNB (BKW-Portal, ESB-Planauskunft, andere VNB)
  • vZEV-Anmeldung gegenüber dem VNB
  • SDAT-CH-Datenfluss-Setup
  • Quartalsweise Mieter-Abrechnung inklusive Versand
  • Inkasso bis zur 2. Mahnung
  • Mietermutationen ohne Zusatzkosten für dich

Mehr zu unserem Abrechnungs-Service in vier Stufen findest du auf der Abrechnung-Eigenverbrauch-Hub-Seite.


Die Kurzversion

  • Bestandsbau MFH: vZEV. Punkt.
  • Neubau MFH mit gemeinsamer Verteilung: ZEV. Klassiker.
  • Liegenschaften gleiche Gemeinde, verschiedene Verteilkasten: LEG ab 2026.
  • Bauherr will Vollservice und akzeptiert ~700 CHF/Jahr Mehrkosten: Praxismodell beim eigenen VNB.
  • Liegenschaften in verschiedenen Gemeinden: kein gemeinschaftliches Modell möglich.

Unsicher, was bei dir konkret passt? Schreib uns kurz — Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Wir nehmen die Situation auf, prüfen die Topologie beim VNB und schlagen das wirtschaftlich passende Modell vor.

Du erkennst dich wieder?

Eine kurze Erstabklärung kostet nichts und sagt dir, was auf deinem Dach möglich ist – und was nicht.

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