Wenn über chinesische Solarmodule diskutiert wird, hört man meistens nur eine der beiden Hälften. Entweder geht es darum, dass Peking mit Staatsgeld die europäische Industrie plattgemacht hat. Oder darum, dass Solarstrom noch nie so günstig war. Beides stimmt. Und beides gleichzeitig auszuhalten ist unangenehm, aber ehrlicher als die halbe Geschichte.
Wir installieren jeden Tag Anlagen im Seeland, im Berner Jura und in der Region Neuenburg. Deshalb hier unsere Sicht auf eine Debatte, die direkt beeinflusst, was deine Anlage kostet.
Wie gross Chinas Anteil tatsächlich ist
China stellt nach Angaben der Internationalen Energieagentur mehr als 80 Prozent der weltweiten Komponenten für Solarmodule her.
Der Preiseffekt ist brutal: Modulpreise fielen von rund 0.25 US-Dollar pro Watt im Jahr 2022 auf teilweise 0.07 US-Dollar pro Watt im Jahr 2025. Über den längeren Zeitraum ist der Absturz noch deutlicher: von rund 2.50 US-Dollar pro Watt um 2010 auf unter 0.12 US-Dollar pro Watt.
Das ist kein normaler Skaleneffekt. Es ist eine Mischung aus echtem technologischem Fortschritt, massiven Investitionen und einem Preiskrieg, der sich für die Hersteller selbst nicht rechnet. Chinas grösste Solarkonzerne haben für 2025 Verluste von bis zu 38.4 Milliarden Yuan angekündigt, umgerechnet rund 5.5 Milliarden US-Dollar. Über alle börsenkotierten chinesischen Solarfirmen hinweg lagen die Verluste 2025 bei geschätzt 7.3 Milliarden US-Dollar.
Kurz gesagt: Die Welt kauft Module unter den Herstellkosten. Bezahlt wird die Differenz in China, über Kapitalgeber, lokale Behörden und Staatsbanken.
Die eine Seite: Europa hat den Modulbau verloren
Das bekannteste Beispiel ist Meyer Burger. Der Ablauf in Kürze:
- März 2024: Schliessung des Modulwerks in Freiberg (Sachsen), rund 500 Stellen fallen weg.
- Mai und Juni 2025: Die deutschen Gesellschaften melden Insolvenz an.
- Juni 2025: Chapter-11-Verfahren für die US-Gesellschaften, unter anderem für das Werk in Arizona.
- Dezember 2025: Definitive Nachlassstundung für die Schweizer Gesellschaften durch das Regionalgericht Berner Oberland.
- 14. Januar 2026: Dekotierung der Aktie an der SIX.
- März 2026: Das US-Startup Swift Solar übernimmt das Heterojunction-Patentportfolio, die US-Produktionsanlagen und das Entwicklungsteam.
Meyer Burger ist kein Einzelfall. Solarwatt hat die Modulfertigung in Dresden im August 2024 eingestellt und lässt seither in Asien produzieren. Aleo Solar hat das Werk in Prenzlau im März 2025 stillgelegt. Als Volumenhersteller mit durchgehender Fertigung in Deutschland bleibt faktisch Heckert Solar übrig.
Das ist ein realer Verlust: Know-how, Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit. Wer sagt, das sei einfach Marktwirtschaft, macht es sich zu einfach. Gegen einen Wettbewerber, der Verluste jahrelang durchhalten kann, gewinnt kein normal finanziertes Unternehmen.
Die andere Seite: Ohne billige Module gäbe es diese Projekte nicht
Jetzt der Teil, der in der europäischen Debatte meistens fehlt.
Afrika installiert 2026 voraussichtlich 17 Gigawatt Solarleistung, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht rund 100'000 Modulen pro Tag. 94 Prozent der in Afrika installierten Module stammen aus China. 19 Länder verzeichnen ein Wachstum von über 100 Prozent, in der Demokratischen Republik Kongo sind es 544 Prozent.
Die entscheidende Zahl aus derselben Analyse: Ein Jahr chinesischer Modulimporte kostete Afrika rund 2.4 Milliarden US-Dollar. Dieselbe Strommenge aus Dieselgeneratoren würde ungefähr diesen Betrag alle drei Monate kosten.
Diese Projekte funktionieren nur, weil die Komponenten so günstig sind. Sie werden nicht von Klimaprogrammen getragen, sondern von Leuten, die rechnen: Handwerksbetriebe, Kliniken, Bauern, Familien, die den Dieselgenerator ersetzen. Bei einem Modulpreis von 0.25 US-Dollar pro Watt gäbe es diese Rechnung nicht.
Im März 2026 exportierte China 68 Gigawatt Module in einem einzigen Monat, ein Rekord. Ein Teil davon war ein Vorzieheffekt, dazu gleich mehr. Der Rest ist gebaute Infrastruktur.
Wer also fordert, chinesische Module aus dem Weltmarkt zu drängen, muss dazusagen, wer die Differenz bezahlt. In Europa wäre es der Kunde. In Ländern ohne stabiles Netz wäre die Antwort schlicht: Das Projekt findet nicht statt.
Auch in der Schweiz entscheidet der Preis
Der Schweizer Markt ist 2025 erstmals seit 2017 geschrumpft. Der Zubau ging von 1800 Megawatt (2024) auf 1333 Megawatt zurück. Ende 2025 waren 338'270 Anlagen mit total 9498.6 Megawatt installiert. Gleichzeitig wuchs der Speichermarkt um 70 Prozent.
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang sind die gesunkenen Rückliefervergütungen: Wenn der eingespeiste Strom weniger einbringt, muss entweder der Eigenverbrauch steigen oder die Anlage günstiger werden.
Genau hier wirken die tiefen Modulpreise. Sie halten Anlagen rentabel, die sonst nicht gebaut würden. Und sie machen Speicher, Lastmanagement und ZEV-Lösungen finanzierbar, also genau die Dinge, die das Netz entlasten.
Die Subventionen laufen bereits aus
Wichtig für alle, die in den nächsten Monaten planen: Die Phase der immer tieferen Preise ist vorbei.
Per 1. April 2026 hat China die Mehrwertsteuer-Exportvorteile für Photovoltaikprodukte gestrichen. Beobachter rechneten mit einem Preisaufschlag von rund neun Prozent. Parallel läuft Pekings «Anti-Involution»-Kampagne, die Überkapazitäten abbauen und den Preiskrieg beenden soll.
Ob das schnell durchschlägt, ist offen. Die Kapazitäten sind weiterhin grösser als die Nachfrage, und lokale Behörden halten defizitäre Werke am Leben. Wir gehen aber davon aus, dass die Zeiten stetig fallender Modulpreise vorbei sind. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose mit Quelle.
Was das für dein Projekt bedeutet
Der Modulpreis ist nicht dein Hauptkostenblock. Bei einer Dachanlage in der Schweiz entsteht der grössere Teil der Kosten bei Planung, Elektroinstallation, Gerüst, Montage, Messkonzept und Anmeldung beim Netzbetreiber. Das ist ein Erfahrungswert aus unseren Projekten, keine allgemeingültige Statistik. Diese Wertschöpfung bleibt vollständig in der Region.
Entscheidend ist, wer im Garantiefall greifbar ist. Ein Modul mit 25 oder 30 Jahren Garantie ist nur so viel wert wie die Firma, die die Garantie abwickelt, und wie der Betrieb, der das Modul wieder vom Dach nimmt. Wir wählen Lieferanten danach aus, ob sie in der Schweiz erreichbar sind und ob Ersatzmodule realistisch verfügbar bleiben.
Herkunft und Qualität sind zwei verschiedene Fragen. «Aus China» sagt heute wenig über die Qualität aus. Aussagekräftig sind Datenblatt, Zertifizierungen, Garantiebedingungen und Bilanz des Herstellers. Genau das prüfen wir, bevor ein Produkt bei uns auf ein Dach kommt.
Unsere Haltung
Wir finden es richtig, dass Europa versucht, wieder eigene Fertigung aufzubauen. Und wir finden es falsch, so zu tun, als wäre die Energiewende ohne die tiefen Preise der letzten Jahre dort, wo sie heute ist.
Unsere Aufgabe als Installateur ist nicht, diesen Zielkonflikt aufzulösen. Sie ist, dir eine Anlage zu bauen, die technisch sauber ist, sich rechnet und in 20 Jahren noch jemanden hat, der sie betreut. Mehr darüber, wie wir arbeiten, findest du über uns.
Häufige Fragen
Sind chinesische Solarmodule schlechter als europäische?
Nein, nicht pauschal. Die grossen chinesischen Hersteller produzieren auf hohem technischem Niveau und dominieren auch die Effizienz-Rankings. Unterschiede gibt es bei Garantiebedingungen, Verarbeitung und finanzieller Stabilität des Herstellers. Diese Punkte prüft man pro Produkt, nicht pro Land.
Gibt es 2026 noch Module aus europäischer Produktion?
Ja, aber die Auswahl ist klein geworden. Nach der Insolvenz von Meyer Burger und der Stilllegung des Aleo-Werks in Prenzlau ist Heckert Solar in Deutschland faktisch der letzte Volumenhersteller mit durchgehender Fertigung im Inland. Achte auf den Unterschied zwischen «Made in Germany» (Fertigung im Inland) und «Engineered in Germany» (nur Entwicklung im Inland).
Werden Solarmodule jetzt wieder teurer?
China hat per 1. April 2026 die Mehrwertsteuer-Exportvorteile für Photovoltaikprodukte gestrichen, was Module rechnerisch um etwa neun Prozent verteuert. Wie stark das beim Endkunden ankommt, hängt von Lagerbeständen und Wettbewerb ab. Mit weiter fallenden Preisen rechnen wir nicht mehr.
Lohnt sich eine Photovoltaikanlage in der Schweiz trotz tieferer Rückliefervergütungen?
Das hängt vom Eigenverbrauch ab. Je mehr Strom du selbst nutzt, über Wärmepumpe, Boiler, Ladestation oder Speicher, desto weniger relevant ist die Vergütung. Eine seriöse Antwort braucht deine Verbrauchsdaten, deinen aktuellen Netztarif und die Vergütung deines Netzbetreibers. Pauschale Amortisationszeiten sind unseriös.
Baut ihr auch Anlagen mit europäischen Modulen?
Ja. Wenn dir die Herkunft wichtig ist, sagst du uns das im Beratungsgespräch, und wir rechnen beide Varianten. Du siehst dann schwarz auf weiss, was der Aufpreis ist und was du dafür bekommst.
Du planst eine Anlage?
Du planst eine Photovoltaikanlage in Biel, im Seeland, im Berner Jura oder in der Region Neuenburg? Melde dich bei uns. Wir schauen dein Dach an, rechnen mit deinen Zahlen und sagen dir ehrlich, was Sinn macht.
Quellen: IEA (zitiert bei CNBC, April 2026), AP (Mai 2026), Ember-Auswertung chinesischer Zolldaten (Mai 2026), Nikkei Asia (Januar 2026), Saur Energy (August 2026), Ember und African Tech Futures Lab (August 2026), Statistik Sonnenenergie 2025 (Juli 2026), pv-magazine und pv-tech (März 2026), Newsroom Meyer Burger. Stand der Recherche: 1. September 2026.
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