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PRAXISWISSEN

Wenn der Solarkuchen nicht reicht: Eine kleine Geschichte über Stromzähler und Nachbarschaft

Eine PV-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus, geteilt mit den Nachbarn, jährlich eine unangenehme Rechnung vom Netzbetreiber. Wie kommt das? Und vor allem: Wie kommst du da wieder raus? Eine Geschichte aus unserem Alltag.

Mehrfamilienhaus mit Solaranlage auf dem Ziegeldach, im Winter durch kahle Äste fotografiert

Eine Frage am Sonntagabend

Vor Kurzem schrieb uns ein Kunde aus der Region. Nennen wir ihn Markus. Markus wohnt in einem Mehrfamilienhaus, das er sich mit zwei befreundeten Familien teilt. Vor ein paar Jahren haben sie zusammen eine Solaranlage aufs Dach gebaut. Statt sich zu einem ZEV zusammenzuschliessen, entschieden sie sich für die einfachere Variante: Jede Wohnung bleibt direkter Kunde des Netzbetreibers, der Solarstrom wird über die Zähler verteilt — und der Versorger kümmert sich um die Verrechnung.

Klingt gut. Funktioniert auch.

Bis Markus die Jahresrechnung in den Händen hielt: mehrere hundert Franken — für einen Stromverbrauch über diesen einen Messpunkt von gerade mal 7 kWh pro Quartal. «Das ist doch nicht das, was wir uns vorgestellt haben», schrieb er. «Zahlen das eigentlich alle PV-Besitzer? Oder haben wir eine falsche Entscheidung getroffen?»

Wo der Haken sitzt

Die Rechnung, die Markus auf dem Tisch hatte, war keine Strafe für Solarstrom. Es waren auch keine Energiekosten. Es war eine Verrechnungsdienstleistung.

Bei seinem Modell — die Netzbetreiber haben dafür unterschiedliche Produktnamen, zum Beispiel «Inter-PV» bei der ESB — übernimmt der Netzbetreiber die ganze Verteil- und Abrechnungsarbeit. Er misst, wer wie viel vom Solarstrom bekommt. Er rechnet die individuellen Tarife ab. Er stellt jedem Bewohner eine eigene Rechnung. Diese Arbeit kostet — und sie kostet jedes Jahr wieder, unabhängig davon, wie viel Strom tatsächlich fliesst. Auch wenn die Anlage komplett autark laufen würde, würden diese Gebühren bestehen bleiben. Sie hängen am Messpunkt, nicht am Verbrauch.

Ein Einfamilienhaus mit eigener PV hat das nicht. Ein ZEV hat das nicht — dort wird intern abgerechnet. Diese Gebühren entstehen genau dort, wo mehrere Parteien sich eine Anlage teilen, ohne sich rechtlich zusammenzuschliessen.

Markus' Entscheidung war also nicht falsch. Sie war ehrlich: Damals wollten sie weder die ZEV-Investition noch den Abrechnungsaufwand. Also haben sie für Bequemlichkeit bezahlt. Und das tun sie nun, jedes Jahr.

Wo viele aussteigen

Dass die Alternative «ZEV» heisst, weiss Markus. Er hat es auch gerechnet. Aber dann hat er aufgegeben — und damit ist er nicht allein.

Was die meisten ZEV-Projekte stoppt, ist nicht das Geld. Es ist eine einzige Frage: «Wer macht dann die Abrechnung?»

Wer einmal Mieter abrechnen musste, ahnt, was gemeint ist. Tarife. Hochtarif, Niedertarif. Hilfsenergie der Anlage. Bewohner, die ein- und ausziehen. Der jährliche Abgleich. Wenn das schiefgeht, gibt's Diskussionen. Und Diskussionen unter Hausbewohnern will niemand. Schon gar nicht über Geld.

Genau diese Angst hatte Markus. «Das ist mir zu aufwändig», schrieb er.

Unsere ehrliche Meinung

Wir sehen das nüchtern: Wenn diese Angst PV-Projekte verhindert, hat das Praxismodell mit den laufenden Gebühren seine Berechtigung. Lieber eine Anlage mit ein paar hundert Franken jährlichen Gebühren als gar keine Anlage. Hürden runter ist gut.

Aber — und hier wird's interessant — wenn ihr im Haus gut miteinander auskommt, ist diese Angst heute weniger berechtigt als vor ein paar Jahren. Wir arbeiten in unseren ZEV-Projekten meistens mit smart-me, einer Schweizer Lösung, die das Messen und Abrechnen weitgehend automatisiert übernimmt. Du setzt es einmal sauber auf, dann läuft es. Der jährliche Aufwand ist deutlich kleiner, als die meisten denken.

Und selbst wenn eine ZEV-Abrechnung mal nicht ganz aufgeht — wenn ihr untereinander einmal das Fünfer gerade sein lasst, weil's nicht ums Letzte geht — ist das immer noch günstiger als die laufenden Netzbetreiber-Gebühren.

Der Kuchen muss zuerst grösser werden

Wir sehen es so: Zuerst muss der Kuchen grösser werden, dann wird er geteilt.

Solange das Praxismodell läuft, geht ein Stück des Kuchens jedes Jahr zurück an den Netzbetreiber. Bei einem ZEV bleibt der ganze Kuchen im Haus. Auch wenn das Teilen mal nicht perfekt aufgeht, hat am Ende jeder mehr als vorher.

Würden wir es bei uns selber umbauen? Wahrscheinlich schon.

Was Markus jetzt tut

Markus rechnet. Er nimmt seine aktuellen Jahresgebühren, multipliziert sie mit der Restlaufzeit der Anlage, und stellt das den einmaligen Umbaukosten plus den laufenden Plattformkosten gegenüber. Nicht wir rechnen das für ihn — das soll er selber durchgehen. Es ist seine Entscheidung, und er soll sie mit Zahlen treffen, nicht mit Bauchgefühl.

Wenn er sich für den Umbau entscheidet, sind wir bereit. Wenn nicht, auch gut. Hauptsache, er weiss jetzt, wofür er eigentlich bezahlt.


Du erkennst dich wieder?

Wenn du auch eine PV-Anlage mit Nachbarn teilst und Jahr für Jahr Gebühren auf der Rechnung siehst, die du nicht so richtig zuordnen kannst: Wir schauen uns das gerne mit dir an. Eine kurze Erstabklärung kostet nichts und gibt dir Klarheit, ob ein ZEV-Umbau für dich Sinn ergibt — oder ob euer aktuelles Modell für eure Situation das richtige ist.

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Anhang: Die Begriffe kurz erklärt

Praxismodell

Der branchenübliche Begriff für das Modell, bei dem mehrere Bezüger sich eine PV-Anlage teilen, ohne sich zu einem ZEV zusammenzuschliessen. Jede Wohnung bleibt direkter Kunde des Netzbetreibers. Der Solarstrom wird über die offiziellen Messstellen verteilt, der Netzbetreiber übernimmt die Mess- und Abrechnungsarbeit — gegen Gebühr.

Produktnamen je nach Netzbetreiber

Die verschiedenen Schweizer Netzbetreiber haben für das Praxismodell eigene Produktnamen. Bei der Energie Service Biel/Bienne (ESB) heisst es zum Beispiel «Inter-PV». Andere Versorger nennen es anders. Inhaltlich geht es aber meistens um dasselbe Modell.

ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch)

Beim ZEV tritt das ganze Haus gegenüber dem Netzbetreiber als ein einziger Kunde auf. Intern wird selber abgerechnet — entweder von der Hausverwaltung oder via Plattform wie smart-me. Vorteil: Die laufenden Mess- und Tarifgebühren des Netzbetreibers fallen weitgehend weg. Nachteil: Einmaliger Umbauaufwand und ein bisschen interne Organisation.

Smart-me

Eine Schweizer Lösung für ZEV-Abrechnung und Smart Metering, mit der wir bei Solarmaa regelmässig arbeiten. Sie misst die Energieflüsse im Haus automatisiert und erstellt die individuellen Abrechnungen für die Bewohner. Einmal sauber aufgesetzt, läuft es weitgehend von selbst.

Mess- und Tarifgebühren

Fixe Jahresgebühren des Netzbetreibers für den Betrieb des Messpunkts und die Anwendung der Tarife. Nicht verbrauchsabhängig — sie fallen auch bei null Stromfluss an. Genau das überrascht viele PV-Eigentümer im Praxismodell.


Häufige Fragen zum Praxismodell und ZEV

Was ist der Unterschied zwischen dem Praxismodell und einem ZEV?

Beim Praxismodell bleibt jeder Bewohner direkter Kunde des Netzbetreibers — dieser misst, verteilt und rechnet ab. Beim ZEV tritt das Haus gegenüber dem Netzbetreiber als ein einziger Kunde auf, intern wird selber abgerechnet.

Sind die Netzbetreiber-Gebühren beim Praxismodell verbrauchsabhängig?

Nein. Es sind fixe Mess- und Tarifgebühren. Auch bei null Netzbezug fallen sie an.

Heisst das Praxismodell überall gleich?

Nein. Die Netzbetreiber haben unterschiedliche Produktnamen dafür — bei der ESB beispielsweise «Inter-PV». Inhaltlich ist es aber meistens dasselbe Modell.

Lohnt sich der Umstieg vom Praxismodell auf ZEV?

Bei laufenden Gebühren ab rund 800 CHF/Jahr amortisiert sich ein ZEV-Umbau über die Anlagenlaufzeit klar. Bei tieferen Gebühren rechnet es sich nicht. Die Rechnung kann jeder Eigentümer selber durchgehen — Jahresgebühren × Restlaufzeit gegenüber Umbaukosten plus Plattformkosten.

Wie aufwändig ist eine ZEV-Abrechnung in der Praxis?

Mit einer Plattform wie smart-me ist der Aufwand deutlich kleiner als befürchtet. Einmal aufsetzen, dann läuft es weitgehend automatisiert. Wir begleiten unsere Kunden durch diesen Schritt.

Kann man ein bestehendes Praxismodell in einen ZEV umbauen?

Ja. Die Anlage selber bleibt meistens gleich. Verändert wird die Messstruktur und die rechtliche Konstellation gegenüber dem Netzbetreiber. Wir machen das regelmässig.

Du erkennst dich wieder?

Eine kurze Erstabklärung kostet nichts und gibt dir Klarheit, ob ein ZEV-Umbau für dich Sinn ergibt.

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